Hans

Achter Vollmondbrief

Land unter

Am 21. Aug. 2005 wurde Graz zum Katastrophengebiet erklärt, weil nach saftigem Dauerregen die Bäche über die Ufer traten. Wir wussten da schon, was zu tun war und räumten das Gerätehaus. Felix und ich sicherten uns mit dem Kletterseil. Wir räumten die Brücke vom Treibholz frei. Sie hielt und zitterte etwas, wenn sie von drei Meter langen Baumstämmen gerammt wurde, verrückte aber keinen Zentimeter – das letzte von DI Hermann Fraeulin nach DIN geplante Bauwerk. Ein ähnliches Bauwerk kippte bei einem Event ein paar Tage zuvor nach ÖNORM in Salzburg um. Die von seinem Sohn mit Rücksicht auf die Steiermärkische Bauordnung gebaute Gartenhütte wurde gnädig von einem Apfelbaum aufgehalten und schwamm nicht davon, bisher nicht. Die andere ist etwas besser verankert, nämlich wie eine Gartenschaukel und ließ sich nicht vom Strom versetzen. Das Wetter ist noch nicht vorbei. Das Tief ist laut Wetterkarte genial perfid. Es kreist gegen die Uhr über Österreich und den Balkan allein, säuft sich über der Adria an und regnet sich schwungvoll über den Alpen ab, vielleicht sogar bis zum Rest dieses Sommers. Utes Gemüsegarten ist nicht mehr, das von ihr angelegte Biotop schlammiger Sumpf. Nachschau bei den Nachbarn wurde dokumentiert – für alle Fälle.

Speisen in Szent Gotthard

Als das Tief – irgendein Idiot hatte es Lars genannt und dafür Geld bezahlt – noch nicht voll rotierte und gelegentlich die Sonne durchließ, durchstreiften wir das Land.

Drei Tage

Drei Tage hatten Ute und ich Zeit zum Verreisen und wir nahmen uns vor, von Graz aus im nächstgelegenen ungarischen Szent Gotthard zu Mittag zu essen und dafür die Räder mitzunehmen, um sich unterwegs ein Stück Steiermark näher anzuschauen. Wir fuhren mit dem Postbus bis Weiz, von dort mit der Feistritztalbahn bis Birkfeld hinauf, mit dem Rad entlang der Feistritz und der Lafnitz nach St. Gotthard hinunter, wo wir vorzüglich zu Mittag aßen, durch die Stadt bummelten, in Jennersdorf wieder einen Zug bestiegen, der uns trotz Schienenersatzverkehr zwischen Fehring und Gleisdorf am zweiten Tag nach Graz zurückbrachte. Was machen wir jetzt mit dem dritten Tag? Erholung von den Anstrengungen liegt nahe. Aber vielleicht gelingt uns derselbe verrückte Trip noch einmal im oberen Murtal – an einem Tag.

Klimawechsel im ÖV

Beeilen mussten wir uns nie. Aber uns war schon bang, ob wir mit den bepackten Rädern nach Weiz mitgenommen würden. Der Stauraum im Postbus hatte eine große Klappe, aber wenig Platz dahinter. Mein Rad musste ich etwas zerlegen – Klappe zu. Da hat sich im ÖV gegenüber früher etwas getan. Kein Jammern mehr, keine Vorschriften, Hilfe selbstverständlich, sogar Ehrgeiz war zu spüren: Wir bringen Sie überall hin.

Beim Auspacken in Weiz leider Kettensalat, Fummelei und schmutzige Finger, der Bahnhof verwahrlost. Ich lächelte mich darüber bis Anger hinweg, wo der Bummelzug eine uns und der Umwegrentabilität dienliche Pause einlegte.

Herberstein

In Birkfeld hatten wir die Räder erst zur Bundesstraße hinaufzuschieben, bevor es von nun an nur mehr bergab gehen sollte. Weil in der Gegend dort die Autos bei jedem Wetter im Mördertempo bewegt werden, waren wir für jeden Meter abseits der Bundesstraße dankbar und nahmen oft große Umwege in Kauf. In der Stubenbergklamm bauen sie derzeit einen separaten Radweg bis Herberstein, wo wir uns zur Tierpark-Kassa hinaufquälen mussten, um am Ende einer steilen Abfahrt festzustellen, dass es einen Wirtschaftsweg am anderen Ufer gibt, dessen Ausbau sich die Herberstein OEG wahrscheinlich teuer oder gar nicht erkaufen lässt.

Kalter Hund

Das Wetter war ein kalter nasser Hund. Wir sonnten uns in dem Gefühl, die einzigen mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. In Hirnsdorf die Wechselbundesstraße querend versorgte uns der Seniorchef von Rad und Reifen Huber mit allerhand Information über Pfarrer Kneipp, um uns von unserem Mittagessen in Ungarn abzuhalten. Dank des Kartenmaterials kamen wir noch bis zum Kirchenwirt von Großwilfersdorf. In der Abendsonne durch den Kukuruz radelnd trafen wir auf sechs Feldhasen, drei Wildkaninchen, fünf Wachteln, sechs Rebhühner, einen Marder und etwa ein Dutzend Rehe, sahen vier Weißstörche und einen Schwarzstorch fliegen, einen Falken rütteln und eine Eule davon rauschen, um nur die eher seltenen Vögel zu nennen.

Ich konnte nicht richtig schlafen, weil sich mein Hirn vom bisher Erlebten ständig ausmalte, in einem seltsamen Dorf mein Reparaturwerkzeug verstreut zu haben, was die Kinder nicht hergeben wollten.

Karten und Wege

Beim Frühstück zitterten mir die Hände. Gestärkt ging es mit den Karten von Huber senior weiter die Feistritz hinab, bis sie nichts mehr hergaben, weil vor allem Rundkurse darin eingetragen waren. Vor dem Gemeindeamt von Königshof bekamen wir von einem alten Bauern die erschöpfende Auskunft, wie wir nicht mit dem Traktor bis zur ungarischen Grenze kommen, drinnen aber genug Kartenmaterial. Es datierte leider noch vor dem EU-Beitritt Ungarns, half uns aber beim Benennen der vielen Flüsse, Bäche und Mühlgänge, die wir bis dahin mehrfach überquert hatten. Feistritz, Lafnitz und Lahnbach wollen und wollen in den Auen nicht zusammenkommen.

Zu Mittag über die grüne Grenze

St. Gotthard in Rufweite entschlossen wir uns wegen einer Überwachungskamera zu einem Umweg über den offiziellen Grenzübergang in Heiligenkreuz. Erst später kamen wir darauf, dass sie ihr Auge nach Ungarn gerichtet hatte und nicht auf Österreicher scharf war, die ihr Land verlassen wollten.

Wir aßen vorzügliches Zanderfilet (4,30 EUR) und ein Menu mit Schweinsfilet in Pilzrahmsoße (3,70 EUR) und schauten uns in St. Gotthard um, wollten aber nicht bis 17 Uhr auf den nächsten Zug nach Graz warten und fuhren am Friedhof vorbei nach Jennersdorf, wo auf unserer Karte ein beschränkter Grenzübergang eingezeichnet war. Die Beschränkung bestand aus Brennnesseln um einen Grenzstein und einen verlassenen Kiosk herum am Ende eines Fahrwegs, den sich die Natur fast schon wiedererobert hatte. Kamera war keine zu sehen. Also machten wir uns rüber, Reisepässe griffbereit.

„Mobilitätstechnische Gründe“

Am Bahnhof von Jennersdorf war angeschlagen, dass wegen Gleisarbeiten von Fehring bis Gleisdorf Schienenersatzverkehr eingerichtet worden sei und aus „mobilitätstechnischen Gründen“ „bewegungseingeschränkte Personen“ und Fahrräder nicht mitgenommen werden können.

Wir riskierten trotzdem die ÖBB, weil ich nicht noch einmal den schrecklich angelegten Raabtalweg fahren wollte. Wir bekamen einen Bus, in dem zwei Fahrräder und ein Kinderwagen locker Platz hatten. Freundliches Personal half uns beim Verladen und Bezahlen. Ab Lassnitzhöhe fuhren wir wieder mit eigener Kraft, kehrten unterwegs noch in der Mostschenke auf eine Brettljause ein. Bevor es Nacht wurde, waren wir daheim, erschöpft, aber nicht zufrieden und hatten noch einen Tag. Es wurden zwei.

Noch nicht genug und alle Zeit der Welt

Wir checkten unsere E-Mails, Post und Termine und machten uns nach einem Ausflug ins Internet erneut auf, diesmal Tamsweg die Mur hinunter, aber erstmal hinauf mit einer benutzerfreundlichen Verbindung, die uns erst durch den Schaffner des Intercity von Wien nach Villach stresste, weil er uns mit den Fahrrädern nicht mitnehmen wollte, dieweilen er ein halbes Dutzend Autos im Schlepp hatte und wir teuer dafür bezahlt hatten, unsere Räder im Intercity mitnehmen zu dürfen. Wir unterstützten ihn nach Kräften mit seinem Image-Problem und fuhren ab dann erster Klasse bis Unzmarkt, wo die Steiermärkischen Landesbahnen mit einer Unzahl Radtouristen im oberen Murtal ein Bombengeschäft machen – nicht nur die Bahnen, sondern auch Hotellerie, Gastronomie, Museen und Events, wobei die Dampfzüge eine wichtige Rolle spielen. Mitfahren fasziniert alle – eine wiederentdeckte Art des Reisens, als wir noch alle Zeit der Welt hatten – heute wenigstens im Urlaub. Ich fotografierte wie wild.

Ten Years after

Unsere Erfahrungen mit Radtouren waren wenigstens so alt wie unser Kartenmaterial, also etwa zehn Jahre. Wir waren angenehm überrascht, was sich in der Zeit getan hat. Da mögen Unwetter in den letzten Jahren nachgeholfen haben, aber auch der längst fällige Paradigmenwechsel, dem Radverkehr mehr Bedeutung beizumessen. Beim frisch angelegten Radweg entlang der Mur und der Eisenbahn sahen wir einen kreativen Zimmermann ein schwungvolles Rasthäuschen nach dem anderen anlegen. Das geschah allerdings im Salzburgischen. Im Steirischen war wieder Gespür für Zickzack angesagt.

Radtouristen pflanzen

In Murau bekamen wir gerade noch die Fürstensuite zum Dumpingpreis und lernten etwa 50 Radtouristen kennen, die sich dort beim Lercher und Bärenwirten einquartiert hatten. Sie kamen mit dem Bus von München her, wurden bei St. Michael im Lungau abgesetzt Richtung Radkersburg, nächste Etappe Murau, wo sie wieder auf ihr Gepäck zugreifen konnten. Das ist bestens organisiert von einem Reisebüro, das solche Touren auch für andere Weltgegenden anbietet. Den Leuten, die wir unterwegs immer wieder trafen, hat das Radtouren bei allen Anstrengungen die Laune nicht verdorben. Zwischen Unzmarkt und Knittelfeld verloren wir sie aus den Augen. Den Zickzack den Berg hinauf zu irgendeiner geschlossenen Jausenstation und wieder hinunter zu den ÖBB-Gleisen, gleich wieder hinauf nach Maria Brunn zn oder zn Märchenwald, dann wieder hinunter zu Mur – das zehrt. In Judenburg mit seiner schwierigen Geografie haben sich jetzt die Naturfreunde des Radverkehrs angenommen. Sie haben noch viel zu tun, vor allem die Radwege auszuschildern, bei denen es nicht ständig rauf und runter geht.

„Stressfrei gen Süden“

Wir sind um die 50, haben es in den Knochen, aber Geld!, und lassen uns nicht mehr alles gefallen. Wer das nicht kapiert, schaut durch die Finger. Wir entdecken für unser Fortkommen wieder die eigene Kraft und werden immer mehr. Wir haben hie und da vielleicht Einfluss, ungefähr so viel wie dieses Schreiben hier, aber manchmal mehr, nicht nur auf unseren Nachwuchs, sondern auch mit unseren Erlebnissen, wirken wie Opinion Leaders und Multiplikatoren auf alle Reiselustigen. Wie ich dies schreibe, flattert der Newsletter der ÖBB in die Mailbox mit der Verheißung, ausgerechnet in dem Zug „stressfrei gen Süden“ fahren zu können, mit dem wir so viel Stress hatten. Da musste ich reagieren und schrieb zurück: Bitte unverzüglich einen Gepäckwagen in den Zug einstellen!

Schlechtwetterprogramm

In den Nachrichten war zu hören, dass wir aufgefordert sind, für den Tourismus ein attraktives Schlechtwetterprogramm zu bieten. Die Betreiber der Feistritztalbahn und der Murtalbahn geben sich alle Mühe. Etwas seltsam nur, dass es keinen Anschluss an die Museumsbahn von Tamsweg nach Mauterndorf gibt. Die geht nur bis St. Andrä.

Schlimm ist der Murradweg von Unzmarkt nach Knittelfeld, wo er erst zum Segen der spärlichen Gastronomie im Zickzack geführt wird und sich zuletzt im Stadtbild von Knittelfeld verläuft, wo sich die Stadtväter mit Lokführer Sigi Schafarik an der Spitze auf dem Sieg des Proletariats vor 60 Jahren zur Ruhe gesetzt haben. OK, ich übertreibe.

Spannungsverhältnis

Das gespannte Verhältnis zur Fortbewegung aus eigener Kraft ist besonders in Knittelfeld an jeder Straßenecke zu spüren, geradezu mit Händen zu greifen. In den Auseinandersetzungen um lokale Verkehrsgestaltungen fallen mir die Vertreter des Öffentlichen Verkehrs durch ihre paranoiden Züge auf, einmal abgesehen davon, dass aller Verkehr ausgenommen Ackern auf eigenem Grund und Vögeln in der eigenen Wiese ein öffentlicher Verkehr ist. Die Vertreter der Verkehrsgesellschaften pudeln sich in aller Regel in solchen Verhandlungen auf, als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen. Werden sie auf ihr eigenes Verhalten aufmerksam gemacht, zum Beispiel Busbuchten mit ihren Dienstautos zuzustellen, reagieren sie wie Rumpelstilzchen, dass ich um ihr Leben fürchten muss.

Wege in Altrosa

Die Aversion gegen die Mitnahme von Fahrrädern ist bei den öffentlichen Verkehrsmitteln in Österreich sehr ausgeprägt, hat sich aber wesentlich verbessert. In den Regionalzügen haben wir uns wunderbar zurechtgefunden, im frisch angeschafften Talent-Triebwagen ausgesprochen wohl gefühlt. Bei den ÖBB ist der Umgang mit der Kundschaft aus eigener Kraft selbstverständlich geworden, nur noch nicht beim Dünkeln im Intercity, wo man von Wien nach Villach mit geschwellter Brust Autos in angehängten Waggons mitführen will, die Mitnahme von Fahrrädern aber verweigert und erst anhand der geschaffenen Fakten widerwillig akzeptiert. Lei lossen… Bei der ÖBB-Direktion im altrosa Villach ist noch nicht viel nachgedacht worden. Muss ich sie erst daran erinnern, dass der ARBÖ früher Arbeiter-Radfahrerbund und das Reisebüro RUEFA Ruhe und Erholung für Arbeiter geheißen hat und wie sie in den Dreißigern Waffenschiebereien zwischen dem faschistischen Italien und Ungarn vereitelt haben? Das weiß anscheinend keiner mehr in Villach und Knittelfeld.

Auf der Nudelsuppen daher geschwommen

Bei Konflikten im Verkehr ärgere ich mich am meisten über meinen nicht wegzukriegenden piefkinesischen Akzent. Hochdeutsch war meine erste Fremdsprache (ich bin im Rheinland aufgewachsen) und ist, weil ich im Theaterbereich arbeite, meine Arbeitssprache. Vor allem aber ärgert mich die Haltung der Leute, ich käme auf der Nudelsuppen daher geschwommen. Ich werde also ständig als ahnungsloser Tourist taxiert. Das ist bitter für einen diplomierten Volkswirt mit Schwerpunkt Verkehrs- und Entwicklungspolitik.

Verkehrskultur

Auf dem Theater kommen wir mit zwei Verkehrsregeln aus. In Österreich sind es über 100 Paragrafen, und nur kleinen Kindern wird konzidiert, dass sie noch nicht alle bis §99y wissen. Den Alten und Betrunkenen wird nachgesehen, dass sie nicht mehr alle Regeln im Kopf haben. Das mindert aber nur die Schuld der Täter mit ihren Autos, deren Haftpflichtversicherungen sich bei allfälligen Unfällen abputzen können. Wer Shakespeare oder Grillparzer zu inszenieren hat, der Dame müsste im Regen auffallen, dass in Österreich einiges im öffentlichen Raum aus den Fugen geraten ist. Das hat vor vielen Jahren begonnen und die Verwerfungen werden heute als selbstverständlich, ja naturgegeben beurteilt. Wir, die wir im Pariser Getümmel fallweise die Drei Musketiere zu inszenieren haben, haben es besser zu wissen. Ich wüsste keinen unter den Kollegen, die das kümmern würde, Jérôme Savary vorsorglich ausgenommen.

Doch einen

Die einen kenne ich nicht, aber Christoph Schlingensief, der den Schalk meines Großvaters im Nacken hat. Dessen Heimatdichters Verse rezitierte mein Onkel Eugen vor allen Leuten noch auf seiner letzten Geburtstagsparty. Seine Tochter, meine geliebte Cousine Gia, schämt sich heute noch dafür. Von Heinrich Kocks will sie nichts wissen. Wer da nicht lachen konnte, kam nicht von hier oder war schwer von Begriff – und stand dann schön dumm auf der Party herum. Hier war Mülheim an der Ruhr. Christophs Vater hatte dort eine Apotheke, meinem Onkel gehörte eine Drogerie-Kette. Was sich die Alten zusammengerührt haben, will ich nicht wissen. Mein Großvater war so etwas wie dialektische Untergrundliteratur. Davon will die Stadt heute noch nichts wissen. Bald ist es zu spät, weil keiner mehr die Sprache meines Großvaters spricht. Es gibt einen Heimatverein, zu dem ich Kontakt habe, sonst nur tote Hosen im Wind.

Exkurs Sprache

Was ist der Unterschied zwischen Sprache und Dialekt, wurde ein Sprachprofessor im Radio gefragt. Die trockene Antwort: Eine Sprache ist ein Dialekt mit Armee und Polizei.

Exkurs Demokratie

Da hat dann irgendwann Christoph Schlingensief eine Armee aufgestellt, um dem Bundeskanzler am anderen Ufer des Sees die Zehen zu benetzen, indem sie den Wasserspiegel durch auffälliges Plantschen anhoben. Das Ansinnen können nur die Menschen aus Mülheim begreifen und werden den Kopf schütteln, sind ja schon immer brave Leute gewesen, brav wie Gehorsam, denken an den Wasserbahnhof, mit dem sie die Welt um sich herum in den Griff bekommen haben. Obwohl, nur in Mülheim gibt es eine Chance. Mülheims großer Sohn Christoph Schlingensief hat noch schlimmeres angerichtet und den Parsifal in Bayreuth inszeniert. Mein Respekt, aber ich habe andere Alpträume zu erledigen und bin weit davon entfernt, den genialen Schlingel abzutun. Er hilft uns vielleicht demnächst in Molwanien. Ad multos!

Sohn aus Mülheim

Helmut Müssener war Deutschprofessor für etwa drei Studentengenerationen an der Uni Uppsala und emeritiert jetzt so für sich hin da in Schweden. Den Exilliteraten aus der Nazizeit hat er nachgespürt. Brecht und Tucholsky war Schweden Asyl. Helmut hat sich um sie gekümmert. Wir hätten sonst unsere besten Schriftsteller aus den Augen verloren. Er kommt auch aus Mülheim an der Ruhr. Er war gleich von der Idee begeistert, seinen Onkel Heini wieder in Szene zu setzen und erwähnte sein Stammlokal, die Witwe Bolte, welche auf seinem Weg zur Schule lag. Die Witwe Bolte gibt es jetzt wieder neben der Stadtkirche, aber Onkel Heini noch nicht. Ich habe sein Schifferpatent in Händen, weiß vielleicht, wie es an der Feistritz bis St. Gotthard geht, aber nicht vom Rhein bis ans Meer.

Der Tag wird hell

Ich mach mal Pause am Computer und widme mich einer Wandzeitung für eine Volksbefragung.

Pfüat enk,

Hans Fraeulin

22.8.05

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