Hans

Fünfter Vollmondbrief

Schwerelose Niederlage

In meinem weitläufigen Nordrhein-Westfalen wurde gewählt. 13 Millionen durften wählen. Die seit 39 Jahren beim Regieren abgenutzte SPD verlor 83.000 Stimmen. Was ist daran sensationell? Dass die voreiligen Kommentare noch bis in den Vollmond durchs Radio geplärrt werden, zipft mich an. Wahlanalytische Nachhilfe am Ende des Vollmondbriefes.

Über den Zweck von Kunst

Der Rechnungshof hat mit dem Grazer Kulturjahr abgerechnet und allerhand moniert, was bei einigen Gemeinderäten Empörung auslöste. Aber der Skandal liegt woanders und sicher nicht in der fehlenden Zweckmäßigkeit von Kunstwerken. Dass nach der Auflösung der Firma die elektronische Buchhaltung gelöscht wird, hat gute Gründe, vor allem die Manipulierbarkeit der Daten. Tipp-Ex fällt auf, also wäre für alle im Gemeinderat eine eigene Buchhaltung drin gewesen, über die er oder sie sich hätte aufregen können. Dass jemand 68.000 Euro für eine Idee bekommt, so etwa: „Wie wär’s, wir bauten eine Insel in die Mur?“ – „Klasse Idee! Dafür kriegst alles, was ich grad in den Hosensack gesteckt hab“, halte ich für eher unwahrscheinlich. Dass ein Künstler neben dem Honorar noch einen Gewinn kassiert – wie schön für ihn! Im Filmgeschäft ist das anhand der Kalkulationsschemata nachvollziehbar. Dass der RH über die Zweckmäßigkeit von Kunst öffentlich nachdenkt, schwächt ihn nachhaltig. Das hätte sich das Finanzamt nicht getraut, so in den Gatsch zu hupfen. Es könnte ja die eine oder andere Künstlerin über den Zweck des Finanzamtes nachdenken. OK, als Argument ist das zu wenig. Die Schlussfolgerung des RH aus den hohen Kosten für die gespiegelte Stadt hätte anders lauten müssen. Dafür, dass sie so teuer war, hätte man sie durchaus ein paar Jahre länger stehen lassen können.

Unter der Laterne

Nachts den verlorenen Schlüssel gerade dort zu suchen, wo Licht ist, so kommt mir die Arbeit des Rechnungshofs vor. Das war nicht unser Auftrag, höre ich jetzt schon, wenn ich über Skandalöses im Kulturjahr nachdenke. Dass Geschäftsführer Gaulhofer einen teuren Rechtsstreit vom Zaun brach, um eine Webdomain an sich zu reißen, die unter dem Label Graz2003.com oder at bereits den kulturpolitischen Diskurs führte, als es den Herrn Gaulhofer noch gar nicht gab, ist bereits bei rudimentären Kenntnissen des Urheberrechts teuer verschwendetes Geld. Das steht mit Sicherheit in der Bilanz. Dem Rechnungshof ist das nicht aufgefallen. Oder haben das nur die Journalisten verschwitzt?

Exkurs: Fidschi-Effekt

Wonach wir suchen, finden wir gern. Was wir nicht kennen, wird uns nicht gewahr. Das ist der Fidschi-Effekt. James Cook war das einen Eintrag ins Logbuch wert. Er kommt mit einer stolzen Caravelle daher und die Bewohner der Insel ignorieren ihn nicht einmal. Sein voreiliger milder Schluss: Die kennen nur Einbäume, ihre kleinen Schinakeln. Dass das gefinkelte Taktik der Inselbewohner gewesen sein könnte, ist ihm nicht in den Sinn gekommen. War halt kein Österreicher.

Noch ein Exkurs: Was ist eine Idee?

Fragen wir am besten eine Institution, welche am wenigsten mit Ideen etwas anzufangen weiß, das Militär: Appell. Spieß zum Rekruten mit Abitur: Was ist eine Idee? Ähja, der Rest Gestammel. Dasselbe noch mal gebrüllt. Resultat gleich. Der Spieß gibt sich zufrieden. Im Nachsatz: Rücken Sie mal ihr Käppi eine Idee nach rechts. Jetzt sind sie fesch.

Skandal ausgeblendet

Ex aequo mit dem Kunsthaus, der schönen Blubberblase mit Stich ins Gedärm, von wo wir eine fantastische Aussicht auf die Grazer Stadt haben, hat das Kindermuseum als schwangere Auster einen Architekturpreis gewonnen. Wer dafür 1996 ein erstes Konzept vorlegte, wurde mit einer Gehaltseinbuße von 13.000 Euro bestraft. Weil ihm die Stadt das nicht refundierte, wahrscheinlich, weil er ein dreckiger Ausländer und Rattenfänger war, schmiss er seinen Job als Ideengeber hin und nahm ihn wieder auf, als Tatjana Kaltenbeck nachfragte. Was hast du dir eigentlich dabei gedacht? Dafür konnte ich mir nichts kaufen und reichte die Idee bei der Europäischen Kommission ein. Die war begeistert. Ich weniger, wenn ich an die daran geknüpften Bedingungen denke. Auch 20.000 Euro von der Stadt oder Geld zurück! Was habe ich vor Angst geschwitzt, bis ein schwindliger Vertrag zustande kam und ich endlich der EU melden konnte, dass das Geld aus der Stadtkasse auf meinem Konto eingetroffen ist. Schwindlig an dem Vertrag war nur ein von der Stadt hineinreklamierter Erfüllungsvorbehalt nach dem Motto: Sekkier’ uns nicht mit deinen spinnerten Ideen.

Kaputt

Die aus Funderplatten zusammengestellte als Weltenbummel deklarierte erste Ausstellung im Kindermuseum war am Abend kaputt. Einer der Bühnenbildner und ich defilierten nach der Feier durch die Ruinen. Da saßen wir nun und ich wurde furchtbar alt. Als hätte ich es immer schon gewusst, nur alle anderen nicht: Kinder machen alles kaputt. So geht es den Ideengebern in der Grazer Stadt – nicht immer, siehe Murinsel. Das stimmt mich tröstlich. Hat doch jemand hier für eine gescheite Idee ein anständiges Geld bekommen. Dass der dort eingerichtete Spielplatz für Kinder von der Behörde verrammelt wurde, spricht für sich. Seither turnen die Kinder außen herum. Ein Platsch in die Mur wird mit Gelächter bestraft.

Vernachlässigbar

Kinder sind vernachlässigbar für die Kultur. Das ist die bittere Lektion aus dem Grazer Kulturjahr. Als die Karten auf dem Tisch waren, stellte sich heraus, dass für Kinderkultur gerade einmal 3 von 150 Mio. Schilling vorgesehen waren – zwei Prozent – so viel, wie die Eröffnungsausstellung im Kindermuseum gekostet hätte. OK, Kinder sind eine kleine radikale Minderheit, aber immerhin noch 16%. Das Versprechen, die verzauberten Zwerge zu finanzieren, wurde gebrochen, der Grazer Mittelstand, das fleischgewordene Mittelmaß, das unter der Führung von Helmut Strobl beim Kulturjahr mitreden durfte, sanktionierte den Skandal, und ab dafür. Für die Eröffnungsausstellung im Kindermuseum war leider kein Geld mehr da. Geschämt hat sich aber keiner von den Kulturjahrheinis, mit dem Kindermuseum tüchtig Werbung für sich zu machen.

Wunderwuzzi in Grazer Sandkästen gesucht

Wolfgang Riedler und Christian Buchmann sind Stadträte in Graz und suchen per Amtsblatt eine neue Direktion für das Stadtmuseum: Ausstellungsprofi und Chefbuchhalter in einem. Mit Kunst beschlagen soll er sein. Fesch soll er ausschauen und außerordentlich belastbar, also bei Ausstellungseröffnungen nicht ins Stottern kommen. Wenn die beiden ihren Kandidaten, oh pardon, es wird sicher keine Frau werden, sondern ein fescher Mann in Schwarz vom Scheitel bis zur Sohle, wenn sie ihn also nicht schon haben sollten, werden sie den strammen Nachwuchs auf irgendeinem Grazer Spielplatz suchen müssen. International ausschreiben müssen sie den Posten nicht mehr. Das Stadtmuseum ist schließlich eine private GmbH geworden – sogar mit den Stimmen der Grünen. Hat da wer Packelei gerufen? Ich muss schon bitten. Der Mann ist wirklich fesch und lernt sicher noch dazu.

Kahlschlag durch Privatisierung

Durch die Umwandlung der Oper in eine GmbH gehen dem Musikverein 43 Orchesterdienste verloren. Kammerkonzerte oder Kammerkeine, heißt es nun für Uta Werner von der Geschäftsführung des Musikvereins. Das ist wohl der größte Einbruch in das Grazer Kulturleben, der durch die Scheinprivatisierung Grazer Kulturinstitutionen passieren konnte. Gespart wird dadurch kein müder Cent. Wenn die Grazer Philharmoniker in ihrer Qualitätskategorie bleiben sollen, werden sie weiterhin ihre 31 Dienste im Monat anbieten müssen. 43 Mal im Jahr schauen sie nur zu oder geben Unterricht oder fiedeln in der Sporgasse. So was nannten wir im ersten Semester Volkswirtschaft Vergeudung von Ressourcen.

Keine Erweckung der Jugend

Pfingsten war für junge Leute südlich des Alpenhauptkamms weit und breit nichts los. Das fällt mir erst auf, seit mein Nachwuchs in dem Alter ist, in dem wir die Festivals in Moers, Mainz, Ingelheim oder Burg Waldeck zur Auswahl hatten.

Das Finanzamt vertreibt die Kunst aus Österreich.

Weil der Flurschaden, den das Finanzamt seit etwa 1994 anrichtet, den wenigsten der Kunst und Kultur zugeneigten Menschen in diesem Lande bekannt ist, muss ich das einmal so apodiktisch hinstellen: Das Finanzamt vertreibt die Kunst aus Österreich. Die Leserschaft möge sich in Hinkunft selber aufrütteln – vielleicht am Duschvorhang. Hand aufs Herz, wer interessiert sich fürs Finanzamt? Dafür haben wir doch alle unsere Steuerberater, nicht wahr? Die schwitzen für uns und wir schütteln ihnen die feuchtkalte Hand, testen welche feuchter ist, haben aber alle von Finanzwissenschaften keine Ahnung. Es gibt ein paar, der Professor van der Bellen, Werner Kogler auch, Christian Novak absoluter Experte, wenige, mit denen ich über solche Dinge reden kann. Wie in Graz ein Landeskultur- und Finanzreferent ein ehrgeiziges Kinoprojekt als Bestbieter zugunsten der Superburenwurst Zielpunkt mäßig in den Bach trug, um es davonschwimmen zu lassen, kann Christian allen erzählen. Der Herr Landeshauptmannstellvertreter ist jetzt wieder Finanzwissenschaftler. Gott sei der Grazer Uni gnädig. Wie sie beim letzten Ranking Europa-weit abgeschmiert ist, war erbärmlich. Wo man als Jurist oder Mediziner wissenschaftlich befähigt wird ohne eine Zeile des Nachweises, ist das kein Wunder, aber hat Folgen. Die erleben Österreichs Universitäten jetzt.

Die Fermate und das falsche Lächeln

Wenn uns das Weihenstephan zu voll wurde, sind wir manchmal in die Fermate gegenüber gegangen, wo uns die zwei Wirtinnen, wahrscheinlich schon seit hundert Jahren ein trautes Paar, mit ihrem tadellosem Gebiss entgegenlächelten und wahrlich keine Gelegenheit verpassten zu lächeln. Gebisse waren damals schon teuer, für die alten Damen quasi Kapitalanlage. Denn ihre Kneipe lief, was Wunder, nicht besonders gut. An sie muss ich immer denken, wenn ich Stefan Karner in der Zeitung sehe. Das ist ein besonders falscher Zeithistoriker, über den sich Hannes Heer, Studienfreund aus Bonner Tagen, als er in Graz seine Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ eröffnete, furchtbar aufregte. Ein glatter Revisionist! Dass so was hier noch frei herumläuft! Inzwischen ist Karner schwer im Geschäft und hat ein eigenes Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung. Dem Titel sollten wir bereits misstrauen. Der Krieg interessiert ihn nicht, nur seine Folgen, und er erzählt allen, dass es allein in Wien 20.000 amtlich registrierte Vergewaltigungen durch russische Besatzungssoldaten gegeben habe. Was er nicht sagt: dass das damals die einzige legale Möglichkeit war abzutreiben, zu behaupten, von einem Russen vergewaltigt worden zu sein – amtlich geprüft. Professor Karner, bitte noch einmal lächeln!

Muttertag

Manchmal schaue ich nicht einmal hin, was ich da aus dem Briefkasten lese und denke mir nachher siebengescheites. Wäre mir nicht das wunderbare Interview von Carina Kerschbaumer mit meiner verehrten Marguerite Dunitz in die Finger gekommen, würde ich vielleicht mit dem Lesen der Kleinen Zeitung aufhören. Zuletzt traf ich Marguerite am Klavier in der Studiobühne der Oper. Musiktheater mit Kindern hat sie gerade geprobt. Dass sie dafür noch Zeit hat, habe ich mich damals gefragt. Sie leitet mit ihrem Mann schon wer weiß wie lange die Grazer Kinderpsychosomatik. Damit haben sie eigentlich genug zu tun. Sich nachher noch ans Klavier zu setzen, um Oper mit Kindern zu machen, meine Hochachtung!

Klaus der Geiger

Klaus von Wrochem ist ein seltenes Beispiel dafür, was sich mit Musik erreichen lässt. Mit seinem Bruder war er im Konzertbetrieb ernsthafte Konkurrenz zu David und Igor Oistrach geworden, hat sich dann aber ausgeklinkt. Er hat es seit langem schriftlich, dass immer dann, wenn er vor dem Kaufhof in der Fuzo fiedelte, der Umsatz im Kaufhof um 40% zurückging. Die Kölner Richter sprachen ihn frei. Die hatten ein paar Jahre zuvor noch den Wegschnapp im Repertoire. Aber cis-rhenanisch wissen wir um unsere Bürgerrechte Bescheid. Klaus’ Macht über den nahe gelegenen Umsatz bestand darin, die Wahrheit zu singen und seinen Bogen zu überspannen. Ja, seinen Geigenbogen, und da hat er nach Lust und Laune mit seinem überspannten Bogen alle Saiten gleichzeitig ansprechen können. Toller Sound. Zurzeit krame ich in meinem Musikarchiv auf der Suche nach Liedern vom Krieg und eins vom Frieden. Wir sind einmal zusammen in Vinyl gepresst worden, schrecklicher Titel: Kalte Zeit. Dass Klaus und ich in eine kleine Rille gepresst wurden, … Ich sag da lieber gar nichts mehr. „Straßenbahn bezahle nicht…“ Wenn ich mich auf den Domplatz von Köln noch einmal hinstellen sollte und rufe: Wo ist Klaus der Geiger? würden sie alle zum Kaufhof zeigen. OK, nicht alle, ein Finger reicht.

Jean Ferrat, Clint Eastwood und…

Was haben der französische Chansonnier und der Schauspieler und Regisseur für eine Handvoll Dollar aus Amerika und Dirty Harry gemeinsam? Sie tun ihre Pflicht als Bürgermeister. Warum sie immer die Welt retten wollen? Die Antwort weiß Arnold Schwarzenegger am besten. Er hat es in unserer Gauklerbranche am weitesten gebracht. Gouverneur von Kalifornien, ziemlicher Brocken. Nicht nur in Kurt Manuls Gymnasium ist er gewesen, sondern BWL hat er auch studiert, wichtige Pluspunkte, um sich im politischen Geschäft zu behaupten. Beim nächsten Todesurteil nein zu sagen, wäre für ihn ein Klacks gewesen. Er hat sich nicht getraut und braucht wohl einen Stuntman für Zivilcourage.

BBC und HFK

D’abord quelques informations pour nos amis en France: Großvater hat einen langen Schnurrbart. Das bekam man nach Beethovens schicksalsschweren Paukenschlägen zu hören, wenn man den Feindsender peilte. Ist 61 Jahre her, dass sich ein guter Mann von seiner Suppe erhob, erst den Soldatenhelm, dann – pas encore – doch besser den Feuerwehrhelm auftat, das aufgedrehte Radio in der Kredenz versteckte und aus dem Haus flüchtete. Oma roch an der Suppe. Die Schwammerln narrisch gewesen? Bourvil hat hinreißend gespielt. Großvater hat einen langen Schnurrbart, hat er immer gemurmelt, bis er aus dem Haus war. Was das mit dem Charmebolzen Heinz Fischer-Karwin zu tun hat, nun ja, kam als Erinnerungsbrocken im Radio vor. Die wichtigste Radiobotschaft lautete damals: Laisse mon coeur dans une longueur monotone – verbunden mein Herz mit eintöniger Mattigkeit, ein Vers aus den Liebesbriefen zwischen Arthur Rimbaud und Paul Verlaine. Für den französischen Widerstand, die Résistance bedeutete diese Durchsage, dass binnen 24 Stunden die alliierten Streitkräfte auf dem Festland landen werden und sie die vereinbarten Stellungen beziehen sollten. Das mit dem Anzünden des eigenen Rathauses ist leider schwer in die Hosen gegangen. Die alliierten Fallschirmsoldaten landeten direkt auf dem Hauptplatz. Nachgedreht hat das auf deutscher Seite Bernhard Wicki aus St. Pölten. Er ist schon länger tot, aber war kürzlich wieder im Fernsehen, weil Maria Schell gestorben ist. Wir konnten sie beide noch einmal in Die letzte Brücke von Helmut Käutner sehen. Woher konnte Wicki so gut Kroatisch, frage ich mich immer noch. Wäre er aus einer burgenländischen Gemeinde gekommen, würde mich das nicht weiter kümmern. Maria Schell lebte zuletzt an der Grenze von Genie und Wahnsinn – auf der Pack.

Entschuldigung

Vollmondbriefe ergehen an Menschen in Graz, die sich für Politik und Kultur interessieren und für gewöhnlich einmal pro Adressat und Vollmond und nicht bis zu 50mal, wie es beim letzten Vollmondbrief passiert ist. Ich bitte alle um Entschuldigung. Auch mich hat der Anblick des Posteingangs auf meinem PC im Magistrat überwältigt. Dort schicke ich den Brief nämlich auch hin, um ihn als Referenz schnell bei der Hand zu haben. Jörg Vogeltanz vermutete einen Wurm, der mir diesen Streich gespielt haben könnte. In der Tat, es war ein Wurm, aber ein solcher, den ich eigens engagiert hatte, um meinen PC vor Wurmbefall zu schützen. Vom Charakter her sind Virenscanner nichts anderes als „Trojaner“ und schnüffeln wie andere Würmer auch in allen Dateien herum. Dr. Norton schnüffelte etwas zu lange, wollte die Post nicht abschicken, geriet ob meiner Befehle in eine logische Schleife und rotierte hinterrücks im Dreiminutentakt, bis ich den PC im Morgengrauen abstellte. Wenn auch mein letzter Vollmondbrief sich dadurch auffällig vom üblichen Spam im Posteingang abhob, will ich nicht, dass sich das wiederholt. Die Post geht ab nun von einem neueren Apparat mit besserem Virenscanner ab, wenn es mir gelingt, die Adressen zu transferieren.

Briefkasten leeren

Weil ich einmal mit Bloomsday und Pick-up Theatre von der Landesregierung als Spam ausgefiltert wurde, was üble finanzielle Folgen nach sich zog, bin ich beim Sortieren der Post vorsichtig geworden. Ich habe mir drauf einen Ordner Echtpost eingerichtet für Mails mit Informationsgehalt. Dort ziehe ich die interessanten Mails hin mit der gedrückten Maus. Danach kann ich es mir einfach machen. Ich klicke die erste Schrottmail an, drücke die Umschalttaste für Großbuchstaben und klicke gleichzeitig auf die letzte Schrottmail. Alles dazwischen markiert. Jetzt noch auf Entfernen/Delete gedrückt und ab dafür.

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Vollmondbier

Es gibt auch andere nachtaktive Leute. Näheres unter:

http://www.schussenrieder.de/bierbrauerei/vollmond.htm

Nachhilfe für voreilige Kommentatoren

Bei den Landtagswahlen in NRW verlor die SPD nach 39 Jahren an der Macht bei 13 Millionen Wahlberechtigten 83.000 Stimmen und wurde abgewählt. Das veranlasst den deutschen Bundeskanzler und den Vorsitzenden seiner Partei, vorzeitig den Bundestag neu wählen zu lassen. Österreichische Journalisten wunderten sich und kommentierten die Vorgänge zu meinem Ärger ins Blaue hinein, obwohl das vorläufige amtliche Endergebnis wenige Stunden nach der Wahl feststand und offen da lag für jedwede Wahlanalyse. Wie bei den „Sanktionen gegen Österreich“ glauben die Kollegen offenbar immer noch, den eigenen Landsleuten die trüben Geheimnisse hinter dem Walserberg allhier Traritrara verkaufen zu können.

Kleine Vorwarnung

Laut PISA scheitern viele junge Leute bereits an der Prozentrechnung. Wie geht das erst den älteren Jahrgängen? (oder den Verfassern des Schreibprogramms, die mir hier den Akkusativ abnötigen wollen? Rettet dem Dativ!)

Stimmen zählen

Bemerkenswert für mich aus der Ferne war, dass wieder 63% zur Wahl gegangen sind nach für mich erschreckenden 57% beim letzten Mal. Die Landtage haben nicht viel zu tun. Es interessiert die wenigsten. Dann doch auf einmal 6% mehr, welche bei wechselhaftem Wetter zur Wahl gehen. Das hat Herrn Rüttgers von der CDU den nötigen Vorsprung verschafft. Er hat sein eingeschlafenes Wählerpotential mobilisieren können und bei aller Vermutung dem Koalitionspartner FDP wenigstens 3% abnehmen können. Das ist anzuerkennen. Er ist zwar angeblich den Leuten nicht so sympathisch wie Peer Steinbrück. Nun soll er den Job aber machen.

Aber was ist passiert?

Die SPD hat sich gespalten. Die Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit hat auf Anhieb 180.000 Stimmen bekommen. Das hat mit 2,2% für den Landtag nicht gereicht, aber allemal, um die SPD vom Sockel zu holen, auch den Grünen 1% wegzunehmen und der Bundespolitik Panikattacken zu verschaffen. Das ist die eigentliche Sensation. Um das herauszufinden, brauchte ich nur das vorläufige amtliche Endergebnis. Dort stieß ich auf WASG, gab das bei Google ein und wusste ab dann Bescheid.

Auch am Tag zwei

Es ist wieder hell geworden. Ich komme gerade vom Briefkasten. Auch am Tag zwei nach der Wahl im Standard und der Kleinen Zeitung nur Augurengeschwätz, besonders blumig in einer zitierten Mailänder Zeitung, wo von Erdbeben und Zusammenbruch die Rede ist. Ein Erdbeben herbeizureden, ist noch keinem gelungen. Der Branche ist zu wünschen, dass sie sich endlich einmal an die Fakten hält. Die liegen immer noch nicht auf dem Tisch. So wird jeder Furz, den die Deutschen lassen, zur nächsten Sensation.

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