Hans

Vollmond 46

Einer lieben Freundin aus Bonner grünen Gründungstagen schrieb ich unlängst aus dem Grazer Exil:

Bei mir reimt sich einiges zusammen, wofür ich als direkt von einer verfehlten Sozialpolitik in Nordrhein-Westfalen Betroffener nur mehr wenig Phantasie benötige. Ich bin jetzt unter die Schnäppchenjäger gegangen und da ist mir gleich aufgefallen, dass in NRW 4450 Zwangsversteigerungen angesetzt sind, im Land der Häuslebauer am selben Tag hingegen nur 102, in Bayern um die 400.

In NRW sind die Sozialbehörden vor einigen Jahren um Hartz 4 zu finanzieren angewiesen worden, zum Regress bei Unterhaltspflichtigen deren Vermögenswerte heranzuziehen und ihre Enteignung und Zwangsversteigerung zu betreiben. Die Amtsgerichte machten begeistert mit - auf Kosten des Rechtstaats. So entstand ein Immobilienmarkt für Schnäppchenjäger nach dem Motto: Anything goes, oder: Probieren wird man ja noch dürfen.

Wir versaufen unserer Oma ihr klein Häuschen, wurde zum Schlager einer Saison, die niemals enden sollte, bis in Bornheim-Widdig eins dieser vielen Einfamilien- und Reihenhäuser, die sich die Menschen für ihr häusliches und familiäres Glück gebaut hatten, in die Luft flog.

Der Besitzer war vom Fach, kein Sprengstoffexperte, aber Gerichtsvollzieher und wusste, was inzwischen alle wissen, dass die letzte Möglichkeit, eine Zwangsversteigerung abzuwenden, die nachhaltige Demolierung des allgemeinen Objekts der Begierde ist, solange es einem noch gehört.

Frühere Abwendungsversuche schlugen fehl. Das Amtsgericht, sein Arbeitgeber, wehrte sich mit staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen ihn. Da schaffte er die Möbel aus dem Haus und kaufte sich Benzin. Wenn sie ihn nicht erwischt haben und der Tratsch stimmt, lebt er jetzt auf Mallorca in seinem versteckten Wohnmobil und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch.

Der Knall von Widdig war bis Niederkassel über den Rhein zu hören, wo mein Bruder und sein sauberer Rechtsanwalt um zwei Ecken wohnen. Der Anwalt reagierte sofort und hob den gerade erst erwirkten Versteigerungstermin für unsere Familienwohnung wieder auf.

Zu diesem Termin erhielt ich gestern zum ersten Mal eine rechtzeitige Verständigung mit wann und wo und das Wort Zwang kam nicht mehr vor. Ich hatte das Verfahren mehrfach moniert und anhand eines am Pfandrecht der Behörde gescheiterten Verkaufsversuchs die Behörde für den Preisverfall der Immobilie verantwortlich gemacht.

Beim allgemeinen Häuserverkloppen mit Amtshilfe dürfte noch viel mehr schief gegangen sein. Zunächst werden noch mehr Sozialfälle geschaffen. Wer weiß wie vielen Angehörigen und Miteigentümern das Dach über dem Kopf genommen wurde. Auf Hartz-4-Kosten haben sie sich woanders einmieten müssen. So wird das auch unser Mieter machen.

Die Kinder, Behinderten und Pflegebedürftigen, die bis dato familiär versorgt waren, wurden zum öffentlichen Versorgungsfall. Diese Last wird seit Kaisers Zeiten von den Kommunen getragen, die darüber hinaus einen Werteverfall der gesamten Bausubsubstanz hinnehmen müssen, was sich zum Beispiel darin äußert, dass sich eine Erhöhung von Kanalgebühren und anderen städtischen Dienstleistungen nicht mehr durchbringen lässt. War das früher schon schwierig, sieht sich eine NRW-Kommune nun auch noch einer wachsenden Schnäppchenjäger-Community gegenüber, die bereits mit knappem Geld zu ihren Immobilien gekommen ist, die sie mit Glück an Hartz-4-Empfänger vermietet hat, die ihre Mietzahlungen wiederum von der Sozialbehörde finanziert bekommen. So schließt sich ein sich selbst verstärkender Regelkreis, den die rot-grüne Landesregierung schleunigst durchbrechen sollte. Leider sind das dieselben Parteien, die seinerzeit Hartz 4 in der ganzen Republik eingeführt haben. Bei diesen Hartz-4-Nostalgikern bin ich mit meinem Grundsicherungsverfahren vor der letzten Bundestagswahl an der in Berlin grassierenden Inputresistenz so gründlich gescheitert, dass mich die Deutschen am Arsch lecken können. Wenn wer von mir was wissen will, soll nach Cardiff oder Graz kommen, kann mir natürlich auch schreiben. Aber ich wette, Du wirst keinen in Deinem Haufen finden.

Nach Cardiff

Im Rathaus von Cardiff/Wales habe ich auf der Weltkonferenz der IPA einen Workshop über eine bespielbare Stadt zu gestalten. Angehängt ein erster Input und das beeindruckende Konferenzprogramm vom 3. bis 7.7.2011

Ein zweiter Input wird hier als Vollmondclip gepriesen: Motocross in Graz googeln oder folgenden Link betätigen: Motocross in Graz

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