Hans

Vollmond 42

Liebe Helene,

In einem wie die Pest nach Klassenjustiz stinkenden Verfahren bin ich als Kläger schuldig gesprochen worden, die Pfändung meiner Mindestpension hinzunehmen, weil ich, ohne dass wirklich nachgeprüft wurde, zu wenig SVA-Beitrag gezahlt haben soll. Dazu wurde eine von einem ordentlichen Gericht festgestellte Verjährung aufgehoben. Beklagte war die Pensionsversicherungsanstalt, die sich im Lauf des Verfahrens sogar auf meine Seite schlug, so ungeheuerlich war das Vorgehen der Richterin, die das in bezahlter Freizeit macht. Es gibt in Österreich keine ordentlichen Sozial- und Arbeitsgerichte, habe ich dabei herausgefunden. Die Frau ist in der Causa befangen, weil sie in ihrer Freizeit auch der Med-Uni vorsteht und die Trommel für gigantische Bauprojekte rührt, mithin unmittelbar an solventen Financiers wie der SVA interessiert ist. Ihre Kollegen, die über ihre Befangenheit zu entscheiden hatten, stellten subjektive Einschätzungen vor objektive Tatsachen, fanden die Gründe nicht ausreichend und stellten auf diese Weise den einfachsten Grundsatz für ihr Amt, nämlich objektiv entscheiden zu wollen, auf den Kopf.

Wenn das rechtskräftig wird, stehen Kleinunternehmen und Kunstschaffenden schlimme Zeiten ins Haus. Das amtliche Existenzminimum wird unterlaufen. Jeder mit einem weißen Kittel oder Amtskappel kann dir mit Pfändung drohen, egal, ob bei dir noch was zu holen ist oder nicht.

Ich brauche jetzt einen guten Anwalt, der in der Materie sattelfest und/oder lernfähig ist. Es ist auch unbedingt dafür zu sorgen, dass der Skandal nicht unter uns bleibt. Landeshauptmann Voves als Letztinstanz war bisher eine absolute Nullnummer. Die Krankenversicherungen lassen jährlich 4 Mrd. € nicht refundierter Heilungskosten nach Verkehrsunfällen buchstäblich auf der Straße liegen und jagen mit zerknitterten Handzetteln hinter Menschen her, bei denen nichts zu holen ist. Darauf angesprochen wurde der kleine SVA-Magister vom hohen Gericht in Schutz genommen. Sein Gestotter kam wie vieles andere nicht ins Protokoll. Anhand dieses Verfahrens wurden in Österreich sinnvolle Regelungen eingeführt, dass beispielsweise Verluste unbeschränkt geltend gemacht werden können, dass entsprechend moderat die Sozialversicherungsbeiträge ausfallen und dass das alles auch für kleine Unternehmen und Kunstschaffende gilt. Wir dürfen das Verfahren nicht verlieren.

Liebe Grüße,
Hans.

Vollmondclip Nr. 15 Saitenwind: Tod des Apothekers

Als Clip für zwischendurch auf dem Pick-up-Theaterkanal kürzlich erschienen: Broadlahn & Amit Chatterjee: Radljodler

 

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