Hans

38a. Vollmondbrief

Lieber Bernd, liebe Abgeordnete der steirischen Grünen, liebe Fans der Eisenbahn,

die Links zur Grünen Website funktionieren bei mir nicht, fast möchte ich sagen, Gottseidank. Wir brauchen keinen großkotzigen Ausbau der Bahn, sondern mehr und bessere Züge. Unseren Gärtner und grünen Verkehrssprecher im steirischen Landtag habe ich jetzt das zweite Mal auf das Basistunnel-Paradoxon aufmerksam gemacht, wonach alle diese Tunnels nicht nur 100pro rausgeschmissenes Geld sind, sondern darüber hinaus die Leistungsfähigkeit vorhandener Alternativen beeinträchtigen. Beim Koralmtunnel wird gebuddelt und eine beiläufige Streckenführung über Marburg durch das Drautal aus kleinlichen nationalistischen Gründen nicht genutzt. Slowenien ist in der EU und hat den Euro. Begreift das hier endlich mal einer? Mit dem im Tunnel zu verbauenden Geld lassen sich die täglich über die Pack pendelnden Businsassen einzeln bis zum Jahr 2330 im Taxi hin- und herführen, hat der Standard kürzlich ausgerechnet. Da greifen sich alle an den Kopf, wie die Grünen sich immer wieder immer noch lasch aber ja zu Befürwortern Kärntner Kackseligkeiten erklären lassen und sich zieren öffentlich zuzugeben, von den Befürwortern dieser Tunnels leichtgläubig eingenebelt worden zu sein. Es ist eine Schande, in einem  Dorf auf dem Karst ins Taxi steigen zu müssen, um nach Triest, Venedig oder Mailand weiter fahren zu können oder per Autostop ein paar Kilometer von Triest nach Sezana zu trampen, um wieder nach Graz heimkehren zu können, eine Schande, dass ich in Freiburg vor dem nächsten Morgen zwar in Klagenfurt oder Triest ankomme, aber in Graz erst am nächsten Nachmittag, dass ich aber am selben Abend in London noch ins Theater gehen kann, wiewohl nicht mehr ins Burgtheater, wenn ich am selben Abend wieder in Graz sein will. Das konnte ich bis vor ca. 20 Jahren. Seit langem endet der letzte Zug aus Wien in Mürzzuschlag. Eine Zeitlang fuhr die Lok bis Graz weiter. 19 Jahre hat der zweigleisige Ausbau der Schoberpass-Strecke gebraucht, zwei Jahre die Autobahn. Wir sind jetzt mit dem Zug vielleicht zehn Minuten schneller in Salzburg als früher, als der Lokwechsel in Selzthal noch über zwanzig Minuten dauerte, jetzt acht Minuten. Die ÖBB sind ein Scheißbetrieb mit Villach-Paranoia, weil immer noch Management bei Wehrmacht gilt, weil sie ganze Züge verscherbeln dürfen, um die Bilanzen zu schönen. Würde das ÖBB-Management Zug fahren müssen, würden sie sich wahrscheinlich wie in der Volksschule nicht aufs Klo zu gehen oder aus dem Fenster zu schauen trauen. So klein, verdreckt und versifft ist das alles. Weil sie erst mit 16 allein ins Wirtshaus gehen durften, gibt es bei den ÖBB folglich auch keine Zugrestaurants, sondern diese erbärmlichen aufgemöbelten Teewagerln. Das Mitführen von Passagieren so wie im Nachtzug von Graz nach Zürich gilt inzwischen als verfassungswidrig. Wer von Klagenfurt nach Slowenien will, fährt über Villach zwar die doppelt so lange Strecke wie durch das Rosental, dafür aber 20x am Tag. Meine Recherchen haben ergeben, dass wir von den Pressefritzen der ÖBB in allen Belangen betrogen und beschissen werden. Essentials in meinem Vollmondbrief 38 ,  Details auf Anfrage unter 0699-10776653. Uns glaubt man jeden Blödsinn erzählen zu können, zum Beispiel den großen Photovoltaik-Schwindel, zum Beispiel auf einer grünen Insel festzusitzen und nicht rechtzeitig zur Landtagssitzung erscheinen zu können, wie allen Landratten vor und hinter dem Schoberpass von der Landespressestelle weisgemacht wird. Die Würstelreferenten Koren und Herzeg lassen sich von Hinz und Kunz über den Tisch ziehen. Sie bringen es nicht einmal zu Wege, dass im Bahnhof von Deutschfeistritz zwei Weichen eingebaut werden, damit die Direktverbindung der S-Bahn von und nach Übelbach nicht länger dauert als das Umsteigen, oder dass es im Bahnhof von Bad Aussee, einer durchaus respektablen nicht mehr zum Gau Oberdonau, sondern seit 65 Jahren wieder zur Steiermark gehörenden Stadt wieder einen Fahrkartenverkauf und eine vernünftige Verpachtung der Bahnhofswirtschaft gibt. Nicht einmal solche Kleinigkeiten bringen sie zu Stande, während der LH mit großer Geste den Eisenbahntransit durch unsere Berge und Täler geschleust wissen will, als hätten wir mehr als nur Lärm davon. ÖBB und GKB machen zwischen Danzig und Koper, zwischen Ostsee und Adria bereits gutes Cargo-Geschäft, ohne durch die Steiermark fahren zu müssen. Also, was sollen diese Demarchen im abgetakelten Flieger nach Brüssel? Dass jede masurische Kartoffel und jedes steirische Rindvieh eher an der Adria ist als wir, dafür kann Brüssel nix. Die GKB wäre vom Know-how her bestens in der Lage, ein Fernverbindungsnetz mit modernen ICE-3- oder Pendolino-Mehrstromtriebzügen mit Graz als Drehscheibe aufzubauen. Das wird von diesem Würstel namens Koren als mein Privatvergnügen denunziert. In der Verkehrsabteilung der Landesregierung scheint es von Flachwichsern nur so zu wimmeln, wie auch im Straßenbau zu sehen ist, in der eine Schleppkurve vor einem vernünftigen Gehsteig Vorrang hat und Panzer und Fluchtpanzer im Ortsgebiet aneinander vorbeifahren dürfen müssen. Wir brauchen am Planungsschwerpunkt Graz Hbf-Gürtel nicht einmal gescheit hinzuhören, um ganz genau zu wissen, welcher Verkehr unter die Erde gehört, nämlich die lärmenden und gefährlichen Autos. Geplant wird auf Teufel-komm-raus, die Menschen zu Fuß, auf dem Rad und in der Tram unter die Erde zu bringen mit all den unvermeidlichen Auf- und Abstiegshilfen, Orientierungsverlusten, Minderwertigkeiten und Angsträumen, welche mit einer schon auf den ersten Blick verkehrten Verkehrsplanung einhergehen, und unsere grüne und ressortzuständige Vizebürgermeisterin spielt das Spiel der kleinen Kadett-Männchen mit. So wirst du nicht wiedergewählt, habe ich ihr geschrieben – zum zweiten oder dritten Mal. Sie will mir nicht glauben, dass das erst mit einer alternativen Planungsstudie gescheit diskutiert werden kann. Wenn Ihr so weitermacht, fliegt Ihr aus dem Landtag.

Gehabt Euch wohl,
Euer Hans Fraeulin.
Graz, am 31.5.2010

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