Hans

32. Vollmondbrief

Etwas Besseres…

Wenn ich am eigenen Leib zu spüren bekomme, wie schleißig der österreichische Gesetzgeber gearbeitet hat und feststellen muss, dass ein Kreuz zu wenig auf einem Formular fünftausend Euro kosten kann, frage ich mich, warum ich für diese Republik noch einen Finger krumm machen soll. Wenn ich schon in den Worten des Verwaltungsgerichtshofs der Esel bin, dann der aus Bremen, der Hund und Katz auffordert, das Land zu verlassen. Etwas Besseres als den Tod finden wir überall. Den Hahn nicht zu vergessen. Der Gashahn ist nicht gemeint.

…als den Tod…

Vielen im Land ist zurzeit jedes Kreuzerl ein Kreuz zu viel. Mich geht das nichts an. Ich darf hier weder wählen noch gewählt werden. Ich setze meine politischen Ziele auch so durch. Mal habe ich mehr Einfluss auf die Entscheidungsbefugten, mal weniger. Meine Ziele sind hehr und in der Gesellschaft anerkannt: Kinderfreundlichkeit, Barrierefreiheit, Umwelt- und Naturschutz, Menschenrechte, eine zivile Gesellschaft, jemand was dagegen? Na bitte, ich habe gute Argumente und eine Erfolgsbilanz, die sich sehen lassen kann.

…finden wir…

Auf mein Betreiben wurde in Österreich zweimal die Straßenverkehrsordnung zugunsten der Fortbewegung aus eigener Kraft geändert, neun Landesjugendwohlfahrtsgesetze mit der flächendeckenden Einführung der Kinder- und Jugendanwaltschaften, in der Steiermark die Bauordnung und das Landesstraßenverwaltungsgesetz. Wie viel Beschlüsse im Grazer Stadtsenat und im Gemeinderat auf mein Betreiben gefasst wurden, kann ich nicht abschätzen. Jedenfalls wurden die Schulen renoviert, die Schulhöfe zum Spielen freigegeben und gestaltet, Freizeit- und Sozialprojekten mit besseren Verträgen geholfen und schlussendlich den Kindern ein Hands-on Museum in den Augarten gestellt.

…überall

Leider muss ich Geld verdienen und habe keine Zeit mehr für so was. 5000 Euro will jetzt das Finanzamt haben. Kämpfen in eigener Sache lohnt nicht mehr. Außerdem habe ich das nie gekonnt. Aber ich habe einige Missstände in Angriff genommen, deren Beseitigung ich für ein gedeihliches Zusammenleben wichtig finde. Ich kann auch was dafür tun und wie das geht, weiß ich von Barack Obama.

Vollmondbriefe

Die Vollmondbriefe sind eine Geschichte für sich. Entstanden sind sie aus dem Ärger über eine inkompetente Kulturpolitik und haben zwei Kulturstadträte, sagen wir mal, überlebt. Vor allem haben sie zu einem regen Gedankenaustausch über Österreichs Grenzen hinaus geführt und ich war nicht mehr einsam und allein mit meinem Talent. Wenzel Mrazek und der hiesigen Architektenzunft waren zwei Vollmondbriefe es wert, sie auch auf ihre Website zu stellen. Alle Vollmondbriefe auf www.pickuptheater.com .

Nr. 19

Am besten wirkte Nr. 19 mit dem Basistunnel-Paradoxon. Seither zieht kein Politiker mehr die anderen damit auf, als Zuständige zu wenig für solche Projekte getan zu haben. Luise Ungerboeck geißelte den Tunnel im Standard als „volks- und verkehrswirtschaftlichen Unsinn“ oder so ähnlich und das ist bemerkenswert.

Aus für Unsinn

Kismet für Horst Pöchhacker, für den das Spiel zurzeit den Bach runtergeht. Er ist lange Generaldirektor der Porr AG gewesen, welche den Tunnelbau am Semmering betreibt, und ist jetzt Aufsichtsratchef der ÖBB. Den Bock zum Gärtner gemacht? Äh ja, sicher, aber interessanter ist, dass die Porr-AG und der Standard bei der gleichen Bank in der Kreide stehen und früher im Standard fleißig PR für den Pöchhacker-Tunnel gemacht wurde. Jetzt ist er volkswirtschaftlicher Unsinn.

Kein Anstand

Der Finanzminister erspart sich und der Republik mit dem Basistunnel-Paradoxon zwei Milliarden Euro jährlich in den nächsten zehn Jahren. Aber er besteht darauf, dass ich alte, strittige Steuerschulden über 20.000 Euro zahle. Schlechtes Benehmen findet sich leicht überall, aber doch nicht an der Spitze des Staates! Keinen Anstand hat Wilhelm Molterer, der noch wer weiß wie lange Finanzminister ist.

Auf dem Dampfer

Mit dem letzten Vollmondbrief habe ich bei Bundeskanzler, Finanzminister und dergleichen wohl lähmendes Entsetzen ausgelöst oder sie leben in einer anderen, für uns nicht erreichbaren Welt. Nur Werner Kogler, für die Grünen im Nationalrat meldete sich mit der Bitte, auch so einen „Mondscheinbrief“ haben zu dürfen.

Die Abschaffung der Lohnsteuer und die Grundsicherung nach dem Haushaltsmodell müssen in Wien furchtbar eingeschlagen haben. Die Bundesregierung trat nach ewigem Streit und Hader ein paar Tage später mit kurzen Worten zurück. Die Zurufe wurden immer lauter und kamen von allen Seiten. Vollmond vorbei wussten sie, dass sie auf dem falschen Dampfer waren.

Rumpelstilzchen

Eine verpfuschte Mindestsicherung und eine Milchmädchen-Steuerreform wird es nun nicht geben. Auch aus der Krankenkassenreform ist die Luft raus, warum eigentlich? Vielleicht, weil einer den Stöpsel zog und die Krankenkassen darauf aufmerksam machte, dass sie woanders viel mehr Verluste machen. Das lief aber telefonisch und nicht ohne Ernst Sittinger von der Kleinen Zeitung.

Ich bin als Rumpelstilzchen sicher besser als Hans Dichand. Seit Monaten kampagnisiert er mit seiner Kronenzeitung gegen die EU und Österreich ist immer noch nicht draußen. Er hat einfach keine gescheiten Argumente. Was haben wir seinerzeit bei so viel Unflat gefordert? Enteignet Dichand!

Lieber Blauwale als blau wählen

Es lohnt sich, Zeit und Geld in Vollmondbriefe zu investieren. Wahlen müssen sein. Das verlangt die Demokratie. Der Einfluss mit der eigenen Stimme ist meinethalben erbärmlich. Aber ich spüre die Klimaveränderung zu schwarz-blauen Zeiten noch immer im Nacken, wenn ich daran denke. Also zur Wahl gehen und nicht blau wählen ist meine Empfehlung. Wer mehr für sich und Österreich tun will, investiere in Vollmondbriefe und was ich sonst noch tun kann.

Allzweckmittel

Für die Grundsicherung ist erst ein breiter Konsens zu erzielen. Mit den Kinder- und Jugendanwaltschaften, der Grünen Wirtschaft und mit der Leitung einer großen Alten- und Krankenpflegeorganisation habe ich bereits Gespräche geführt, natürlich auch mit den Vollmondbriefempfängern in meinem Stammlokal, wobei das Haushaltsmodell wie ein allseitiger Problemlöser wirkt. Ich muss aufpassen, dass es da keine Schrammen wie bei einem Allzweckreiniger gibt. Alleskleber ist es, danke, nicht.

Wenn Krokodile küssen

Warum keine Partei die Abschaffung der Lohnsteuer haben will, ist mir klar, aber den anderen nicht. Allerhand zu tun. Das Übel habe ich Krokodilsfonds genannt und bereits einen Film gedreht mit dem Titel: Wenn Krokodile küssen. Es hat etwas mit dem Reptilienfonds zu tun, mit dem Bismarck seinerzeit unverblümt die ganze deutsche Presse schmierte und sich damit rechtfertigte, das Geld sei erforderlich, um die Reptilien, das waren seine Feinde, bis in ihre Höhlen verfolgen zu können.

Schuld und Skandal

Warum die Krankenkassen woanders viel mehr Verluste machen als beim Medikamentenmissbrauch, rührt an die Grundgesetze unseres Zusammenlebens. Betroffen sind wir davon einmal im Leben, sagen die Statistiker, und wir lassen uns dann einreden, es habe alles seine Richtigkeit, wenn wir als Unfallopfer selber schuld oder mitschuldig seien. Nicht nur wir kommen um den Schadensersatz um, sondern auch die Krankenkassen. Wenn sich kein Schuldiger findet so wie beim Seilbahnunglück in Kaprun, empört sich alle Welt über Österreich, und die Republik muss mit einem Drittel der Schadenssumme einspringen, um den Skandal zu vertuschen. Hier merken wir nichts davon. Ein kleiner Artikel auf der Wirtschaftsseite war alles dazu. In aller Welt gilt die Gefährdungshaftung, in Österreich die Verschuldenshaftung. Sie ist menschenrechtswidrig, weil niemand straf- und schadlos einen anderen verletzen oder töten darf. Das gilt auch für die Maschinen, die er in Betrieb nimmt. Das steht so seit 1806 im Code civile. Die Nazis haben das geändert. Zurzeit versuche ich Rechtsanwälte in meinem Bekanntenkreis zu gewinnen.

Notgroschen für Kärnten

Ich habe auch ein Notfallsprogramm für Kärnten. Der dortige Landeshauptmann verhöhnt die Republik und die Organe der Verfassung und streitet das auch gar nicht ab. In der Hauptstadt wird sich hilflos gegeben. Wolfgang Petrisch, der als lang gedienter Diplomat am Balkan genau weiß, wie in einem solchen Fall vorzugehen ist, hält sich als Kärntner bedeckt, die Bundesregierung, kann noch die amtierende sein, am besten auch. Sie stellt ein Ultimatum, gemäß internationalen Standards alle Kärntner Ortstafeln zweisprachig aufzustellen und geht damit ausnahmsweise nicht gleich an die Öffentlichkeit. Auf den Kuhhandel mit einzelnen Ortschaften lassen wir uns nicht mehr ein. Lässt Kärnten den Termin verstreichen, sperren wir alle Kärntner Konten bei der Nationalbank. Kann per Weisung geschehen, wenn nicht, als Petition. Die Nationalbank muss ohnehin mitspielen. Wenn Kärnten nicht wunschgemäß reagiert, werden alle Pflichtausgaben des Bundes, zum Beispiel die Lehrergehälter und die der übrigen Bundesbediensteten, Arbeitslosen-, Karenz- und Kindergeld, das heißt alle Transferzahlungen des Bundes nicht bar oder per Überweisung ausbezahlt, sondern bescheinigt. Mit dem Bescheid können die Bezugsberechtigten ihr Geld bei der Post bekommen. Es wird ihnen jedoch nicht in Euro, sondern in KNS ausgezahlt. KNS ist der Kärntner Notschilling. Ausgabekurs 1KNS=1EUR. Die Nationalbank gibt KNS-Scheine in ausreichender Menge der Post ab, ist aber nicht verpflichtet, Kärntner Notfallschillinge in Euro umzutauschen. Wenn die ersten neuen Banknoten an der Billa-Kasse auftauchen, wird es ein lustiges Erwachen geben. Das ist leider erforderlich. 42 Prozent haben Haider gewählt und es werden mehr, wenn nichts geschieht.

Scheuermittel in jeder Preislage

Ich habe da noch einen ganzen Katalog in petto, zum Beispiel die Verlegung der Bundesbahndirektion von Villach nach Graz. Es reicht eine Weisung des Verkehrsministers. Jetzt gleich ließe sich durch die Gemeindeaufsicht überprüfen, warum die Kärntner Gemeinden kein Geld für ein paar lumpige Ortstafeln haben.

Jörg Haider macht uns allen Schande, auch uns Deutschen. Er und seine Spießgesellen wären woanders keinen Tag in der Politik. Irgendwer muss das schreiben und Wege aufzeigen, wie mit Leuten verfahren werden kann, welche die Republik und ein friedliches Zusammenleben gefährden.

Tradition

Vollmondbriefe sind keine Einbahnstraße, sondern stehen in der Tradition der Korrespondenzen, wie es sie früher einmal gab. Bei aller zur Schau gestellten Flut an Leserbriefen – Zeitungen können keine Korrespondenz mehr führen. Im Gegensatz zu Behörden sind sie auch nicht dazu verpflichtet. Die elektrische Kommunikation erleichtert es uns enorm miteinander zu korrespondieren. Nur Mut! Als gelernter Volkswirt und gelernter wie praktizierender Kulturschaffender bin ich in vielen Belangen kompetent. Soll ich den hiesigen Fußball retten, bitte sehr. Das wäre mir auch Recht. Allein die Vorstellung, tausende fußballbegeisterte Kinder glauben an das, was ihnen ein wahrnehmungseingeschränkter Josef Hickersberger sagt, löst bei mir, der ich einst 1000 Fußballspiele leitete, Schweißperlen aus. Lange genug als Journalist tätig gewesen weiß ich, wie ich mich bei Dingen sachkundig machen kann und wo ich mir erst eine Ahnung verschaffen muss.

Entsorgen

Es gibt Zeiten, da wir nichts von allem wissen wollen. Da genügt ein Knopfdruck, um Vollmondbriefe zu entsorgen. Schlecht im Winter, wenn Papier zum Einheizen fehlt. Endgültiges Abbestellen: auf Antworten klicken und Njet oder so schreiben, auf Senden klicken nicht vergessen.

Gender

Vielleicht ist dem einen oder der anderen aufgefallen, dass ich „man“ selten verwende. Gender-gerechtes Schreiben ist, denke ich mir, heute Standard. In „man“ steckt darüber hinaus die schlechte Gewohnheit von Journalisten, Allgemeingültigkeit vorzutäuschen, wo keine ist.

Einfluss wahrnehmen

Als Vollmondbriefscheiber kann ich Dinge tun, die Journalisten verboten sind, nämlich mich voll und ganz für eine Sache einzusetzen, die ich gut und wichtig finde. Es lohnt sich zur Vollmondbriefgemeinde zu zählen. Ihre Mitglieder haben den größtmöglichen Einfluss auf den Einflussnehmer. Eigentlich fehlt nur noch die Kontonummer mit der Bitte, meine politische Arbeit für dieses Land fortsetzen zu dürfen. Das habe ich auch von Barack Obama.

Hans Fraeulin KEG,
KtoNr: 8744732, RLB Graz, BLZ 38000

Graz, am 17. und 18. Juli 2008

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