Hans

Dritter Vollmondbrief

Spielregeln

Das Theater kommt mit zwei Spielregeln aus: Wo du stehst, kann ich nicht stehen. Wo ich gehe, kannst du nicht gehen. Fußball bringt es auf 17 Regeln, die Erklärung der Menschenrechte auf 24, die österreichische Straßenverkehrsordnung auf über 100. In keinem Regelwerk ist Betteln verboten. Christian Weniger fordert in der Kleinen Zeitung umstandslos die Grazer Stadtväter auf, Betteln zu verbieten, um dem Tourismus aufzuhelfen. Dass sich der Mann auf Kosten unterlegener Menschen für das katholische Tagblatt prostituiert, sichert ihm sein Gehalt. Das trägt er wahrscheinlich zu dem Mann, der ihm sein Rückgrat massiert.

Verbrechen der Wehrmacht

Fritz Ehrmann und Alfred Cherubino wurden wegen „Fahnenflucht“ in Flensburg vor ein Kriegsgericht gestellt und am 10. Mai 1945 erschossen – eine doppelte Ungeheuerlichkeit. Die eigenen Kameraden zu erschießen wurde quasi modern, je aussichtloser der Krieg zu werden schien. Dass dies zwei Tage nach der bedingungslosen Kapitulation durch die seltsame „Reichsregierung“ des Großadmiral Dönitz geschehen konnte, wirft für mich natürlich auch die Frage auf, warum den Mordbrennern die Waffen nicht längst abgenommen worden waren.

Montag, 4. April, 12 Uhr, Ries

Vor 60 Jahren wurden sieben Soldaten vor die Grazer Stadt gebracht und erschossen, um ihren vorbeiziehenden Kameraden den Mut zu einer Desertion zu nehmen. Ihnen wurde ein einmaliges Denkmal gesetzt. Dorthin habe ich die Repräsentanten der Republik eingeladen, also lade ich auch die Empfänger dieses Briefs ein, ihrer zu gedenken. Weswegen die Sieben auf der Ries erschossen wurden, haben wir nicht herausgefunden, wissen nicht einmal, wer sie waren, nur dass sie mit offener Hemdbrust blutig ausgestellt wurden. Dass sie auf der Flucht von der SS erschossen worden sein sollen, ist nicht mehr wahrscheinlich. Die „Ostfront“ brach gerade in Kirchberg an der Raab zusammen. Wer will dorthin? Der SS alles in die Schuhe zu schieben geht schon lange nicht mehr, seit wir um die Verbrechen der Wehrmacht einigermaßen Bescheid wissen.

Auf der Schmetterlingsbahn

Auf ein auf- und abspringendes Karussell wie die Schmetterlingsbahn von einem Schmetterling zum anderen zu hupfen habe ich als Kind von den fremden Typen gelernt, die in voller Fahrt das Geld von den Fahrgästen kassierten. Das muss sich der Grazer Kulturstadtrat nicht antun. Aber Mainz hat bereits einen neuen Intendanten ab 2006, Altenburg-Gera sortiert gerade die Bewerbungen für eine neue Intendanz ab 2006 und Buchmann hat noch nicht einmal den Text für die Ausschreibung einer Schauspieldirektorin, welche männlichen Geschlechts ihm 2006 nach Mainz abhanden kommt. Liegt seit Wochen an. Vielleicht habe ich eine Kleinanzeige in der Kleinen Zeitung übersehen. Wie kann man das nur so verlempern? Dass Matthias Fontheim seitens der Kulturkritik hinterher gebellt wird, er sei ohnehin keine Offenbarung, ist so was von hündisch wie bestellt.

Die Zwerge auf der Ries

Wie das eigene Bildungswesen für Schrott erklärt und abgetakelt wird, lässt sich auf meiner Bezirkswebsite http://www.graz.gruene.at/ries nach verfolgen. Von der Unterrichtsministerin abwärts scheinen alle Verantwortlichen vergessen zu haben, wie sie einst Deutsch lernten, und was für ein Deutsch! Finnische Kinder werden in die Schule aufgenommen im Wissen, dass sie nicht Finnisch können, allein 20% schwedischer Herkunft. Deswegen sind sie bei PISA vorn. Österreichische Volksschullehrer haben allerhand gelernt, nur nicht, wie Kindern Deutsch vermittelt werden soll. Das ist auch nicht so einfach. Vorreden nach der Schrift ist so ziemlich das Dümmste, was Eltern dazu beitragen können. Meine Kinder haben das Schlimmste überstanden – in der Waldorfschule. Die erste Schule für Arbeiterkinder war teuer genug. Jetzt ist sie die einzige in meinem Bezirk, fähig alle Kinder zu integrieren. Ab sofort hat der Stadtschulrat ihnen das Schulgeld zu bezahlen.

...hilft dem Vater auf das Fahrad

Mit der neuen Rechtschreibung sind die Zeiten vorbei, sie zum Disziplinieren zu verwenden. Ein paar haben das noch nicht begriffen. Über die lachen wir dann wie der Texter der Schnapsreklame von einst, über den sich ganz Deutschland aufregte. Aufmüpfige Zeitungskonzerne gaben klein bei. Vielleicht haben sie bemerkt, dass die neue Rechtschreibung weniger kostet. Den Korrektor gibt es nur mehr im PC und wenn der Revisor ausfällt, der noch einmal über die ganze Zeitung liest, so wie letzte Woche beim Standard ausgefallen, fällt das keinem mehr auf außer mir, der als Korrektor mit dem Zeitung machen angefangen hat.

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Meine Vollmondbriefe schicke ich einem kleinen Kreis von Menschen, von denen ich glaube, dass sie sich für Politik und Kultur in Graz interessieren oder sogar verantwortlich fühlen. Sie dürfen die Briefe gern weiterverbreiten. Ältere Vollmondbriefe können auf http://www.pickuptheater.com nachgelesen werden. Wer nicht mehr damit behelligt werden will, antworte mir einfach mit einem Njet oder so. Wer mir persönlich an den Kragen will, hier die Adresse:

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