Hans

Siebzehnter Vollmondbrief

Längst Neumond

Es geht schon längst auf Neumond zu, wenn ich an meine Vollmondbriefe denke, aber nun doch merklich Schiss habe, wenn ich mich nach Kärnten begebe, wo ich Takes von diesem berüchtigten Ulrichsbergtreffen mitnehmen will.

Die braven Grünen

In Österreich eine seltsame Mischung von Pädagogen und ein paar Volkswirten und holpertatschigen Juristen an der Spitze, die langsam merken, was ich von ihnen brauche, ich auch ein Volkswirt – unter anderem. Als Theatermensch bin ich besser bekannt, nicht so bekannt wie der Archivbeamte Grillparzer oder der Frauendoktor Schnitzler, aber vielleicht als beinharter Lobbyist für Kinder. Deshalb geht mir jedes Juristen- und Pädagogengeschwätz auf die Eier.

Mischung

Dass sich Volkswirte und Pädagogen in einer Partei zusammentun, ist grundsätzlich verdächtig, aber keine schlechte Mischung. Es ist ja auch noch australisches Federvieh dabei, das mangels Sand den Kopf nicht in denselben steckt. Was ist ein Emu? Ein Verwandter des afrikanischen Straußvogels oder ein Ein-Mann-Unternehmen? Die Frage kläre ich jetzt mit meinen DS, meinen Göttinnen.

In diesem Land

In diesem Lande leben wir wie Fremdlinge im eigenen Haus, heißt es in Wolf Biermanns Hölderlin-Lied, aber es tut sich was in diesem Land. Die Kulturpolitik heißt jetzt anders und die Arbeitsbedingungen sind gleich besser. Flecker heißt er, ist SPÖ, soll von dem je zweiten Grünen auf dieser Welt, der ich bin, nicht verschwiegen werden, Flecker, immer noch Wilder auf seiner Maschin’, was ich weiß, und soll auch auf dem Sozius bitte keine Angst vor dahergelaufenen Emus bekommen. Aber keine Angst! Auch nicht auf den Tacho schauen, sondern nur auf die Emus, die Wiesel und die Ziesel und die Schnecken fressenden nützlichen Laufenten.

Steinfüchse

Hilmar Hoffmann und Karl Klauser waren Steinfüchse der Kultur. Herbert Nichols und ich, vielleicht ein paar andere auch, haben von ihnen gelernt, auch von Matejka und Jungwirth, der eine Kommunist, der andere braver Bürger. Kultur für alle, hieß es einst und das gilt eigentlich immer noch. Um welche Kultur, haben wir uns gestritten, gehört dazu. Als Kurt Jungwirth von der Burg den Abgang durch die Sporgasse machte und ich ihn zufällig traf, rief ich dem alten Französischlehrer wissend um das schäbige Spiel um seine Instanz zu: Comprenne qui pourra, verstehe wer kann. Er sah mich an und nickte traurig. Comprenne qui pourra, murmelte er freundlich zurück. Also hatte ich doch in Französisch Konjunktiv gelernt.

Polizisten weg

Polizisten in der Kultur ist zwar zurzeit in Graz zu sehen, aber so was von abwegig, dass es schon nicht mehr feierlich ist, wenn Polizist und Kulturstadtrat Werner Miedl den Grüßaugust spielt. Wenn das noch lange anhält, mache ich die Grazer Kultur in aller Welt lächerlich. Werner Miedl taugt nicht einmal zu einem Suppenkasper.

Schanti zuhauf

Als alter Straßenmusikant werde ich hantig, wie mit Menschen auf der Straße umgegangen wird, besonders wenn ich merke, dass seit 1789 in meinem Sprengel nichts passiert ist. In einem viel besungenen Arschkaff wie Fürstenfeld gemeinderätlich das Betteln zu verbieten, ist mit den Menschenrechten nicht vereinbar. STS müsste dort betteln gehen. Schlag ich ihnen einmal vor.

 

In der Hoffnung, dass es nur eine partielle Mondfinsternis war,

grüaß enk

Hans Fraeulin am 15. September 2006

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