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Staatsoper Molwanien gegründet

Nach etlichen Anläufen wurde die molwanische Staatsoper gegründet, wenn auch zunächst exterritorial von einer Grazer Wandertruppe, dem dort im Winterquartier frierenden Pick-up Theater. „Wir freuen uns über den Auftrag“, so Neu-Intendant Hans Fraeulin aus der Heimat Beethovens, dessen Truppe nur auf den Marschbefehl nach Lutenblag, der molwanischen Hauptstadt warten muss, um endlich einen repräsentativen Querschnitt metropolitaner Kultur in das entlegene Land exportieren zu können. Molwanien erhofft sich damit eine Hebung des nationalen Kulturniveaus und nicht zuletzt in die EU aufgenommen zu werden. In der bisherigen Kulturhochburg Svetranj in den Molwanischen Alpen, der einstigen Hochburg der Reichen und Schönen, wollen sich die örtlichen Autoritäten im Gegenzug ernsthaft für 2013 als Kulturhauptstadt Europas bewerben. Über die Hauptstadt des Landes wird sich deswegen mächtig geärgert. Solange es in Molwanien keine Staatsoper gibt, haben wir in Svetranj keine Chance, wahrgenommen zu werden, sagt der neue Bürgermeister von Svetranj, der sich überdies mit einheimischen Jugendlichen herumschlagen muss, weil sie einen Gast aus dem niederösterreichischen Ausland in der Neujahrsnacht in den Tod geprügelt und im Schnee liegen gelassen haben.

GMD Sande

Im Bild: GMD Sande im Außendienst am 100. Bloomsday



Molwaniens Staatsoper zählt mit ihrer 8m²-Pawlatschen sicher zu den weniger großen Häusern, hat aber alles, was eine Staatsoper braucht. Besonders stolz wird auf die Orgel verwiesen. „Wichtige Werke der Opernliteratur, denken wir nur an die Hochzeitsmärsche in Wagners Lohengrin und Verdis Aida, sind ohne Orgel gar nicht aufführbar“, freut sich Generalmusikdirektor und Composer in Residence Henrik Sande aus Oslo über den seltenen Fund vom Pfarrflohmarkt. „Wie bei uns zu Hause“, schwärmt der Stardirigent aus Norwegen, der unter anderem bei Ivan Eröd in Graz Komposition studierte.

IreneS.

Im Bild: Irene S. als Nena im Litter-Thriller Neonce und Nena von Hans Fraeulin


Diva assoluta Irene S., welche vor vielen Jahren als Nena in Neonce und Nena aus der Handschrift des Intendanten debütierte, sieht ihrem 25 jährigen Bühnenjubiläum heiter und gelassen entgegen. Es habe ja so kommen müssen, meint die im Zenit ihrer Karriere gefeierte Opernsängerin, welche auch in der leichten Muse hervorragende Figur macht. Ob an der Scala, der Met oder der Staatsoper gefeiert würde, sei ihr ziemlich egal. Hauptsache, es wird gefeiert. Dabei erweist sich die Suche nach potenten Geldgebern als ziemlich mühselig.

IreneS.

Im Bild: Irene S. Hand in Hand mit potenten Sponsoren für den 100. Bloomsday

Trotz seiner gediegenen Ausbildung immer noch sehr experimentierfreudig erweist sich einmal mehr der Chef-Schlagwerker der Molwanischen Philharmonie, Franz Schmuck, dem es zur Verblüffung des Publikums gelang, seinem Hut markante Geräusche zu entlocken. Im Hintergrund von wildem Wein gnädig verhüllt das Bildnis von Literaturnobelpreisträger Samuel Beckett, das sich auch im Winter nur mehr erahnen lässt.

Franz Schmuck

Im Sommer- und Winterquartier des Pick-up Theaters gibt es viel zu schauen und zu erleben, wenn die Sponsorengelder fließen. Als es aber galt, einem Weltkulturereignis beizuwohnen, wurde gern auf die störenden Geldgeber verzichtet.

Samuel Beckett

Im Bild: Samuel Beckett ganz aktuell im Winter 2005-06


Wetterfest und unverwüstlich hielt die Pawlatsche der Molwanischen Staatsoper auch den Monsun-ähnlichen Regenfällen im Juni 2004 stand, als es galt, zeitgerecht mit dem 100. Bloomsday ein Weltkulturereignis zu zelebrieren, wie es auch im Grazer Exil die Welt noch nicht gesehen hat.

Pawlatsche

Tag und Nacht im Freien wurde für das Weltereignis geprobt, was sichtbare Spuren auf den Gesichtern der Akteure hinterließ.

Franz Schmuck

Im Bild: Franz Schmuck nach durchtrommelter Nacht


Der Erfolg gab den Grazer Bloomsday-Aktivisten Recht. Noch Monate nach dem Weltkulturereignis rangiert der Grazer Bloomsday beim Google-Ranking unter Hunderttausenden Einträgen unangefochten an erster Stelle und trug den Mannen und Frouwen des Pick-up Theaters zu Recht die Nominierung für Molwanien ein. Auch der schriftstellerischen Potenz des Prinzipals zollt das weltweite Netz Tribut. Bei der Eingabe des Begriffs „Erste Prosa“ in die Suchmaschine rangiert er unter vielen tausend Einträgen noch vor Thomas Bernhard, Theodor Storm, Max Frisch, Bertolt Brecht und anderen Berühmtheiten an erster Stelle. Dass es sich bei dieser ersten Prosa um ein Parteiprogramm handelt, bei dem der Prinzipal federführend mitwirkte, dürfte die immer noch einflussreiche Sowjet-Nomenklatura Molwaniens dazu bewogen haben, der Bewerbung um die Staatsoper wenn auch schweren Herzens zuzustimmen.

Molwanien

Im Bild: Karte Molwanien, aus Reiseführer Molwanien © Random House, Heyne-Verlag, ins Deutsche übersetzt von Gisbert Haefs