Hans

Expedition Rübezahl
oder
Der Riese auf der Ries

Animationsprojekt für mehr Verkehrssicherheit

In der Volksschule herrscht Skepsis bei Lehrkräften und Eltern, in der Karl-Schubert-Schule wächst die Begeisterung für die Expedition im nahen Wald bis nach Hause. Die Grünen im Grazer Club haben eine Anschubfinanzierung versprochen. Wollen sehen. Das Projekt steht zwar seit einiger Zeit im Netz, ist aber schwer aufzufinden.

Die Wette

Es geht darum, auf der B65, der Riesstraße, zur Volksschule einen durchgehenden Fußweg bis zur Stadtgrenze zu schaffen, wo sich die Karl-Schubert-Schule befindet. Da Vorstöße in diese Richtung bis jetzt erfolglos waren, habe ich mit der Frau Landeshauptmann gewettet, dass es die Kinder eher schaffen werden, sich einen Weg zur Schule durch den Wald zu bahnen. Der zuständige Hofrat teilte dazu mit, dass dies Angelegenheit des Rübezahl sei.

Rübezahl

Der wilde Mann im Wald ist über ganz Europa verbreitet und nicht nur im Riesengebirge. Viel wird über ihn auch im Harz und im Thüringer Wald erzählt, wo die Leute ihn Rübezahl nennen. Die Rüben waren die Kinder. Damit keins im Wald verloren geht, hat er sie regelmäßig abgezählt. Klar, dass ihn die Kinder dabei gefoppt haben. Aber er war für sie verantwortlich.

Wilde Gjoar

In Spanien heißt er Ejercito de Antiguos, das Heer der Altvorderen, in der Steiermark der wilde Gjoar. Der Ursprung dieses nächtlichen Zugs durch den Wald dürfte in der Normandie liegen und seit dem 12. Jahrhundert bekannt sein. Um die Hölle anschaulich zu machen, benutzten die Mönche den nächtlichen Wald. In dessen Lärm lässt es sich kaum aushalten. Voller Angst ließen sich die Menschen taufen. Was geschah nachts im Wald? Ein Zug, angeführt von einem Riesen mit einer Keule, dahinter unschuldige Kinder, dahinter Prominente in offenen Särgen, getragen von Bocksgestalten, rauschte an einem vorbei.

Erlkönig

Über den wilden Gjoar haben sich die Menschen immer wildere Geschichten erzählt. Die meisten sind vergessen, weil sie niemand mehr glaubte. Der Legende nachspüren lässt sich über den Sprachgebrauch. In Frankreich und Spanien heißt der Riese mit der Keule Hellequin, Herlequin oder Harlequin, Harlekin! Helle=Hölle, Hellequin=der Bedrohliche, der aus der Hölle kommt, Hellebarde eine mittelalterliche Distanzwaffe, Barde ein fahrender Sänger. Aus Herlequin wird bei Goethe der Erlkönig, der böse Waldgeist, aus Kindermund gesprochen. Mit dem Harlekin sind wir beim Theater.

Theater

Es wird wohl so gewesen sein, dass dem Mönch in der Normandie vor 800 Jahren nachts im Wald eine Theatertruppe begegnet ist, welche von einem Jahrmarkt zum andern zog, das kräftigste Ensemblemitglied an der Spitze, um mit seiner Keule den Weg vom dahergelaufenen Bär oder Eber bis zum nächsten Marktplatz freizumachen und die Kinder der Truppe zu schützen. Die Eltern spieben seekrank von den Straßenverhältnissen leichenblass aus den von einem Ochsen oder Esel gezogenen Leiterwagen, an dem die für die Ernährung wichtigen Ziegen angehängt waren. So fügt sich die Legende zu einem Ganzen. Weil über viele Jahre den Theaterleuten nichts anderes übrig blieb, als über die Städte und Dörfer zu ziehen, war das nächtliche Spektakel im Wald durchaus öfter zu erleben.

Expedition

Die Kinder sollen sich den Weg zur Schule, nach Hause und zu ihren beliebtesten Plätzen selber bahnen. Rübezahl und allfälliges Betreuungspersonal hält sich im Hintergrund und greift nur ein, wenn die Kinder Angst haben, Fragen stellen oder wenn es wirklich gefährlich wird. Um nachher nicht wie Hänsel und Gretel dumm da zu stehen, muss der Weg wie bei der Schnitzeljagd markiert werden, aber deutlich und ohne Fallen, damit er später offiziell markiert werden kann. Alles spricht dafür, auch mit dem BMX oder Mountainbike nach gescheiten Wegen zu suchen. Wird sich Rübezahl tummeln müssen.

Ziele

Kinder gewinnen

Die Kinder werden mehr Freiraum gewinnen und die Eltern werden weniger Angst um sie haben. Aber dafür sind erst die Kinder zu gewinnen. Mit den Eltern im Hintergrund ist das Betreuungspersonal als Kooperationspartner zu gewinnen. In erster Linie in Frage kommen:

  1. Die Volksschule Ries, welche in Zukunft Nachmittagsbetreuung anbieten will
  2. Die Karl-Schubert-Schule, Riesstraße 351, integrative Waldorfschule mit Hort, wo Landvermessung Unterrichtsfach in der 8. (?) Klasse ist.
  3. Der Waldorfkindergarten, Stiftingtalstraße 76a, neu mit Kinderkrippe
  4. Der Privatkindergarten im oberen Stiftingtal, welcher waldpädagogische Projekte veranstaltet.

Zielgebiet

Wald und Flur zwischen dem Stiftingtal und der Riesstraße bis hinauf zum Bäckenpeterl in Schillingsdorf, Ausreißer zu den Wohnungen der beteiligten Kinder, vielleicht bis in die Ragnitz eingeschlossen. Einzelne Zielpunkte zur Zivilisation sollten markant sein, Weggabelungen, Bushaltestellen oder Marterln zum Beispiel. Vielleicht finden wir im Wald einen markanten Punkt, eine Hütte oder einen großen alten Baum. Im Wald von Dudweiler an der Saar gibt es einen Felsspalt, aus dem es seit vielen hundert Jahren ständig herausraucht. Im Wald aus meiner Kindheit gab es den Eisernen Mann. Der war in Wirklichkeit ein rostiges, mannshoch aus dem Boden ragendes Eisenstück. Alle Versuche, ihn herauszureißen, sind bisher fehlgeschlagen. Warum er im Wald steht, weiß keiner mehr. Ich glaube als Zentralpunkt für die Landvermessung. Es war ein staatlicher Forst.

Kooperationspartner

Das Kinderbüro hat mit der FGM-AMOR bereits eine Verkehrssicherheitsenquete zusammen mit Kindern im Bezirk Ries durchgeführt und auf allerhand Missstände auf den Schulwegen aufmerksam gemacht. Daran lässt sich anknüpfen. Beratende Fachleute sollten zur Verfügung stehen, zum Beispiel Wildbiologen und Geologen. Das Wild legt auf Futtersuche Wege an und ein Bach weiß am besten, wie es bequem und schnell zu Tal geht. Der Alpenverein hat im Gebiet Rundwanderwege für eine Wanderkarte des Bezirks angelegt. Er könnte die Markierungsarbeiten übernehmen. Der Bezirksrat befürwortet einhellig das Projekt. Alle Fraktionen wollen Ruhebänke spendieren. Für die Bikers lassen sich Bicycle oder K&Ö als Kooperationspartner gewinnen, vielleicht sogar die Kleine Zeitung beim Druck einer Wegekarte und bei der laufenden Berichterstattung.

Dokumentation

Das Team der Pick-up Theater Media KEG wird das Projekt sorgfältig mit Digitalvideo und Digitalkamera dokumentieren, um es ins Internet zu stellen, und allen beteiligten Institutionen aus dem Filmmaterial eine DVD brennen. Wollen sehen, was die Hofräte der Frau Landeshauptmann inzwischen zusammengebracht haben. Die DVD soll auch bei Festivals wie der Diagonale eingereicht werden.

Ergebnis und Hintergrund

Was können wir mit diesem Projekt erreichen?

  1. für die Kinder einen direkten und wenig gefährlichen Fußweg zur Schule oder zum Kindergarten, der spätestens dann wichtig wird, wenn der übliche Autotransport nicht funktioniert
  2. den Wald als attraktives Freizeitgelände und Naherholungsgebiet für Jung und Alt erschließen
  3. die steiermärkische Verkehrsplanung auf Trab bringen

Kinder gehen gern zu Fuß, wenn es unterwegs viel zu entdecken gibt, besonders auf dem Weg nach Hause, weil sie nicht mehr „pünktlich“ in der Schule sein müssen. Erwachsene wollen sich ihren Bewegungsdrang mit Joggen, Mountainbike und Nordic Walking erfüllen und suchen nach geeigneten Wegen. Schön, wenn er gleich hinterm Haus beginnt und nicht mit dem Auto hinzufahren ist – ein etwas dummer Gedanke, der aber ernst zu nehmen ist. Die Verkehrsplanung hierzulande ist völlig veraltet. Das fällt schon am gelben Papier der Pläne aus der Schublade auf. In der Nazi-Zeit war man allen Ernstes davon überzeugt, dass mit dem Volkswagen niemand mehr zu Fuß gehen muss. Aber jetzt wollen die Leute unbedingt auf eigenen Beinen laufen und veranstalten wie verrückt alle paar Wochen Marathonläufe durch die ganze Stadt. Das ist verständlich – den ganzen Tag im Büro oder allein zu Haus. Vertrauen dürfen wir letzten Endes nur in die eigene Kraft.

Kosten und Finanzierung

Ein ausführliches Handlungskonzept mit Rollenbeschreibung ist zunächst zu entwickeln. Dies erfolgt auf der Basis einer freien Honorarvereinbarung. Zu rechnen ist mit wenigstens 4 Einsätzen des Fratz-Graz-Teams und wenigstens einem Probeeinsatz, laut Tarif zusammen 2500 Euro. Das Pick-up Team hat für seine in Berlin präsentierte Bloomsday-DVD zuletzt 2800 Euro ausgegeben. Förderungsansuchen werden an die Verkehrs- Jugend-, Schul- und Kulturabteilungen von Stadt und Land gestellt. Die Erfahrung lehrt, wie wichtig eine Initialzündung ist. Wer auch immer den Anfang macht, bringt das Projekt in Fahrt und wird andere Financiers zum Nachziehen bewegen.

Graz, am 30.9.04

Zuletzt aktualisiert am 11.10.04

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